Das iPad schließt die Lücke zwischen iPhone und iMac, also zwischen Smartphone und Computer. Es ist mobil, auf Wunsch ständig mit dem Internet verbunden, voll grafikfähig und eine Spielwiese für diverse Programme, angefangen beim Mediaplayer über Webapplikationen, Büroanwendungen bis hin zu einfachen Spielen. Zu iTunes, dem Platzhirsch unter den Online-Musikanbietern, gesellt sich nun der iBook Store, schließlich kann das iPad auch als eBook-Reader verwendet werden. Über den Webbrowser kommt natürlich auch die tägliche Zeitungslektüre nicht zu kurz.
Das iPad besteht fast nur aus einem großen Touchscreen und ist damit praktisch ein größerer Bruder des iPhones. Es ist damit zwar wenig innovativ, aber bietet immerhin das bewährte Apple-Design. Es ist 24,3 x 19 cm groß, also zwischen DIN A5 und DIN A4 angesiedelt. Mit einer Dicke von nur 1,34 cm muss es wahrlich zu keinem Weight Watchers-Treffen. Über einen Lagesensor dreht sich das Bild auf dem Touchscreen passend zur aktuellen Position, auch das ist nichts Neues.
Das Bedienkonzept ist, soweit es sich anhand der offiziellen Präsentation zum Apple iPad einschätzen lässt, wieder Apple-typisch anwenderfreundlich. Dies ist auch das Einzige, was das iPad mutmaßlich der Konkurrenz voraus hat. In Büchern schmökern, Videos und Fotos anschauen, E-Mails schreiben, Zeitung lesen, einen Kalender führen, Spielchen spielen und Musik genießen - das kann man nicht nur mit den auf der CES vorgestellten Konkurrenzprodukten, sondern prinzipiell mit allen mobilen Computern. Das große Plus ist, dass Apple all diese Funktionen in eine übersichtliche Bedienstruktur eingliedert. Inwieweit das auch der Konkurrenz gelingt, bleibt abzuwarten. Da Apple hier jedoch in der Vergangenheit ein glückliches Händchen bewiesen hat, kann man dem kalifornischen Konzern zutrauen, hier nicht von alten Tugenden abzuweichen.
Der Nachteil dieser einfachen Bedienstruktur ist, dass einige dieser Features mit den jeweiligen Apple Stores verknüpft sind. eBooks werden zwar im verbreiteten ePub-Format angeboten, sind aber nur über den iBook Store zu beziehen. Wenn der ähnlich repressive Nutzungsregeln wie seinerzeit iTunes hat, ist dies kein Fortschritt für den Kunden. Das iPad hat darüber hinaus auch Zugang zum App Store. Alle iPhone-Anwendungen funktionieren auch auf dem iPad. Damit steht schon zum Release ein riesiger Fundus an Miniprogrammen zur Verfügung. Der kann sich freilich nicht mit frei konfigurierbaren Tablets auf Windows-Basis messen, für die diese Tools größtenteils umsonst und unzensiert zur Verfügung stehen, aber da alle Apps einfach auf einem einzigen Kanal zu beziehen sind, erhöht sich der Anreiz für Technik-Laien.
Die Anwendungen lassen sich per Multi-Touch mit intuitiven Gesten bedienen. Bei Bedarf wird eine Tastatur auf dem Touchscreen eingeblendet. Auf Dauer kann damit aber nicht effektiv getippt werden, deshalb bietet Apple auch eine externe Tastatur an. Da Apple für das Gerät eine angepasste Version seiner Bürosoftware verkauft, ist dies auch angebracht. Für den professionellen Einsatz unterwegs ist das iPad dennoch ungeeignet, da Apple am Display gespart hat, so dass es sich nicht mit einem Stift bedienen lässt. Vor allem aber gibt es kein "Copy and Paste". Damit bleibt das iPad in der Steinzeit der Datenverarbeitung.
Die technische Seite bietet nichts völlig Überraschendes. Apple verwendet einen eigenen Prozessor, dessen Leistung sich nicht abschätzen lässt. Die Taktung von 1 GHz lässt aber darauf schließen, dass er sich auf Atom- und damit auf Netbook-Niveau befindet. Mangels dezidiertem Grafikchip ist an vollwertige PC-Spiele nicht zu denken. Die Bewegungssensoren erlauben aber zumindest eine intuitive Bedienung. Bei der Präsentation wurde eine abgespeckte Version von Need for Speed Shift gezeigt, die sich durch Neigen des iPads steuern lässt. Der Flash-Speicher des Geräts ist je nach Variante zwischen 16 und 64 GB groß, reicht also von "für den mobilen Einsatz völlig ausreichend" bis "großzügig". Zur Kommunikation stehen - wieder in Abhängigkeit von der Variante - UMTS, WLAN und Bluetooth zur Verfügung. Getreu dem Alles-aus-einer-Hand-Motto bietet Apple zumindest in den USA in Zusammenarbeit mit AT&T eine eigene UMTS-Datenflatrate an. Das ist ein wichtiger Baustein in der Vermarktung, da viele Features so überhaupt erst nutzbar werden. GPS ist dagegen nicht an Bord. In den teureren Versionen kann das iPad seine Position wenigstens mittels Mobilfunksender triangulieren, aber wenn es keine Mobilfunkverbindung gibt, gibts auch kein GPS. Mau sieht es auch bei den kabelgebundenen Schnittstellen aus. Das Gerät besitzt nicht einmal einen USB-Anschluss. Apple nutzt eine eigene Schnittstelle, an die man auch mithilfe des richtigen Kabels einen USB-Anschluss am Pc bzw. Mac anschließen kann. USB-Geräte selbst kann man jedoch nicht an das iPad anschließen.
Die Auflösung des 9,7 Zoll großen Touchscreens beträgt 1024 x 768 Pixel. Zum Vergleich: Ein Asus Eee PC mit einem 10,2-Zoll-Display hat 1280 x 768 Pixel. Auch wenn in den Medien wie unlängst bei Spiegel Online etwas von HD-Tauglichkeit zu lesen ist, sollte beachtet werden, dass die volle Blu-ray-Auflösung mehr als doppelt soviele Pixel erfordert. 1024 x 768 ist das untere Ende der Fahnenstange und beispielsweise bei PC-Monitoren längst veraltet. Für den kleinen iPad-Bildschrim reicht die Auflösung jedoch vollkommen aus, um scharfe Bilder zu liefern. Ob das Display reaktionsschnell genug ist, um Filme und Spiele auch schlierenfrei darzustellen, ging aus der Präsentation nicht hervor. Apple gibt an, dass der Akku bis zu 10 Stunden hält. Das dies nur die obere Grenze ist, versteht sich. Die Werte aus der Praxis werden darunter liegen. Trotzdem liegt das iPad damit nominell über dem Netbook-Niveau, bei denen man bereits keine Probleme mit der Stromversorgung hatte. Beim iPad wird es wahrscheinlich ähnlich sein.
Die große Überraschung ist der Preis, der für das Einsteigermodell bei 499,- US-Dollar liegt. Für die Premium-Variante mit UMTS und größerem Speicher muss man 830,- US-Dollar hinblättern. Die monatlichen Gebühren für den Datentarif kommen noch dazu, will man das iPad nicht nur ans heimische WLAN anschließen. Um diesen Preis zu erzielen, hat Apple sein Premium-Konzept zum Teil aufgeweicht und wichtige Funktionen eingespart. Zum einen fehlt eine eingebaute Kamera, die mitlerweile zum Standard jeglicher mobilen Geräte gehört. Zum anderen ist die Rechenleistung zu beschränkt, um mehrere Anwendungen gleichzeitig laufen lassen zu können. Anders ist nicht zu erklären, dass man z.B. um eine Email abrufen zu können, erstmal den Internet-Browser schließen muss.
Obwohl das iPad von der technischen Seite nichts bietet, was die Konkurrenz oder sogar Netbooks nicht auch könnten, hat es dennoch das Potential zum Hit. Tablets gibt es schon seit Jahren, aber sie konnten sich nie durchsetzen. Dies lag vor allem an vier Gründen: 1. Die Kunden hatten nicht genug Vertrauen, dass sich die neue Geräteart durchsetzen könne. 2. Die Preise waren zu hoch für den Massenmarkt. 3. Die Geräte konnten zwar schon immer viel. Im Vergleich zu einem Desktop-PC war der Funktionsumfang nicht wesentlich kleiner, die Bedienung war aber ungleich umständlicher und so war dem Funktionswust kaum noch Herr zu werden. 4. Viele Funktionen sind ohne mobilen Internetzugang nur auf dem Papier zu gebrauchen.
Das erste Problem fällt durch den Hype um Apple von vornherein weg und die Preise sind mittlerweile bei allen Anbietern auf einem sinnvollen Niveau angelangt. Das dritte Problem geht Apple direkt an. Die Bedienung ist zum einen bis ins kleinste Detail optimiert. Auf der anderen Seite ist aber auch der Funktionsumfang eingeschränkt. Was auf den ersten Blick wie ein Nachteil wirkt, könnte dem iPad gerade zum Durchbruch verhelfen. Apple kommt zusätzlich zugute, dass sie sich viele Partner an Bord geholt haben: Zeitungsverlage, die Musikindustrie, die Heerscharen an App-Programmierern und Buchverleger, die maßgeschneiderte Anwendungen für das iPad anbieten. Das letzte Problem löst Apple, indem für eine monatliche Gebühr flächendeckenden mobilen Internetzugang angeboten wird. Dass dies gleichzeitig eine Goldgrube ist, zeigt nur noch mehr, wie clever diese Strategie ist.
Bildquelle: Apple