Das Dell Latitude Z600 ist ein Business-Notebook, das neben einigen Innovationen beim Design und der Bedienung vor allem mit einem 100%-Drahtlos-Konzept auf sich aufmerksam macht. Voraussetzung ist, dass der Nutzer neben dem Laptop auch die passende Ladestation erwirbt. An diese werden Maus, Tastatur und andere Peripheriegeräte angeschlossen. Vor allem aber wird die Ladestation auch mit der Steckdose verbunden. Das Dell Notebook wird anschließend auf die ansehnlich designte Dockingstation gestellt und nun drahtlos mit den Daten der Eingabegeräte und Strom versorgt. Diese Übertragung funktioniert nur in unmittelbarer Nähe der Dockingstation. Schon ein Platzieren des Notebooks neben der Station unterbricht die Übertragung. Der einzige Unterschied zu herkömmlichen Cradle-Stationen, bei denen das Gerät in der Station einrastet, sind einige Zentimeter Bewegungsspielraum.
Für die Datenübertragung nutzt Dell Funksignale mit einem hohen Frequenzbereich, die sich zwar mit anderen Signalen, z.B. vom Handy, überlagern, von diesen aber nur als zufällige Anomalie wahrgenommen und sofort ausgeglichen werden. Zumindest theoretisch sollten sich dadurch keine Signalstörungen bei anderen Geräten ergeben. Wie es in der Praxis aussieht, wird sich zeigen. Die Technik wird Ultra Wide Band oder abgekürzt UWB genannt. Nachteil dieser Übertragung ist die kurze Reichweite.
Der Strom wird per elektromagnetischer Induktion übertragen. Eine Spule in der Ladestation wandelt den Strom in ein magnetisches Feld um und eine weitere Spule im Laptop wandelt das magnetische Feld dann wieder in elektrischen Strom um. Das Prinzip unterscheidet sich also im Grunde nicht von dem eines normalen Trafos. Anders als bei diesem sind die beiden Spulenkerne jedoch nicht verbunden, so dass es zu größeren Verlusten kommt. Die Ladestation zieht viel mehr Strom aus der Steckdose als beim Notebook auch wirklich ankommt.
Damit liegt das Hauptproblem der neuen Technik auf der Hand: Sie ist eine Stromverschwendung sondergleichen. Während die Vorteile als marginal zu bewerten sind (man gewinnt einige Zentimeter mehr Bewegungsfreiheit gegenüber einer Cradle-Dockingstation), sind die Nachteile erheblich. Hier wird fast völlig grundlos Strom verschwendet. Während die Haushalte gerade dabei sind, mehr oder weniger murrend Glühbirnen gegen Energiesparlampen auszutauschen, klafft hier der nächste Abgrund auf dem Weg zu einer Gesellschaft, die verantwortungsvoll mit Energie umgeht. Wieviel verschwendete Energie ist uns das bisschen Bequemlichkeit wert, dass es bringt, den Laptop nicht auf der Ladestation einrasten lassen zu müssen?
Hat die Induktionsübertragung noch einen relativ hohen Wirkungsgrad, könnte es nur der Wegbereiter für eine neue Generation von Geräten sein, die wesentlich mehr Energie ins Nirvana schickt. Dell verspricht, dass das Notebook per Induktion nicht langsamer lädt als per Steckdose. Über den Stromverbrauch machen sie jedoch aus guten Gründen keinerlei Angaben.
Es wäre nicht überraschend, wenn demnächst eine gesellschaftliche Diskussion über drahtlosen Strom und UWB losbricht, die sich nicht allein auf den Aspekt der Energieschwendung unter Umweltgesichtspunkten beschränkt. Auch rationale und irrationale Befürchtungen und Ängste werden eine Rolle spielen. Stichworte wie "Gesundheitsschäden durch Funksignale", "Magnetfeld im Zusammenhang mit Herzschrittmachern", "Datensicherheit von magnetischen Trägermedien im Umkreis" und "Signalstörungen von anderen Kleingeräten" werden mit Sicherheit fallen.
Indes liefert Dell mit jedem Z600 ein herkömmliches Stromkabel aus. Es ist also auf Wunsch nicht ganz so drahtlos wie beworben.