Die offizielle Ankündigung des Apple iPad wurde von einem großen medialen Interesse begleitet. Nicht weniger interessiert zeigten sich die Medien nun auch an der in Berlin vorgestellten Konkurrenz eines kleinen Unternehmens aus Deutschland. Die Berliner Firma Neofonie hat zusammen mit dem Münchner Partner 4tiitoo das WePad entwickelt. Auch mit dem WePad sollen Nutzer Bücher, Tageszeitungen und Zeitschriften lesen, im Internet surfen und Filme anschauen können. Doch soll das Gadget "made in Germany" mit einigen Vorzügen aufwarten, die beim Konkurrenzmodell aus dem kalifornischen Cupertino vermisst werden.
Das WePad, das mit einem von 4tiitoo entwickelten Linux-Derivat (WeOS) laufen soll, wurde als offene Plattform konzipiert. So lassen sich z.B. alle Android-Apps für Google-Smartphones ohne Einschränkungen auch auf dem WePad nutzen. Außerdem können Drittfirmen und freie Programmierer eigene Apps für das WePad entwickeln und selbst vertreiben. Auch Verlagshäusern soll es möglich sein, elektronische Versionen ihrer Printpublikationen schnell und einfach auf das WePad zu bringen – ohne Preisdiktat und Zensur, betonen die WePad-Macher. Das ist durchaus als ernst gemeinte Kampfansage an Apple zu verstehen. Das US-Unternehmen ist bei vielen Verlagen in Ungnade gefallen, nachdem es vermeintlich oder tatsächlich erotische Inhalte aus seinem App Store kommentarlos verbannt hatte. Von der Zensur betroffen war vorübergehend auch die Applikation des "Stern"-Magazins – wegen einer vergleichsweise harmlosen Bilderstrecke. Neofonie hat bereits erste Medienpartner für seine WeMagazine-Plattform gewinnen können, darunter auch "Stern"-Herausgeber Gruner + Jahr. Im Gegensatz zum Apple iPad wird das WePad zudem Adobe Flash und AIR unterstützen, was für den Erfolg des Tablet-PCs aus Berlin eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen könnte. Schließlich werden viele multimediale Webangebote über die beiden Techniken von Adobe realisiert. So werden zum Beispiel rund 75 Prozent aller Videos im Netz auf Flash-Basis ausgegeben.
Das WePad wird es in zwei Ausführungen geben. Die Grundausstattung beider Ausführungen ist identisch und baut auf typischen Netbook-Komponenten auf. Als Prozessor kommt ein Intel Atom N450 mit 1,66 GHz Taktfrequenz zum Einsatz. Das Multitouch-Display misst 11,6 Zoll in der Diagonale und hat eine Auflösung von 1.366 x 768 Pixel. Zum Vergleich: Das iPad hat ein 9,7 Zoll großes Display mit einer Auflösung von 1.024 x 768 Pixeln. Außerdem bietet das WePad jene Anschlussmöglichkeiten, die man beim Apple-Modell vermissen würde. Die deutsche iPad-Alternative verfügt über zwei USB-Anschlüsse und einen SDHC-Slot zur Speicherplatzerweiterung oder zum schnellen Import von Bildern einer Digitalkamera. Obendrauf gibt es eine 1,3-Megapixel-Webcam für Videochats.
Einzig in Sachen Akkulaufzeit ist das WePad dem iPad unterlegen. Neofonie zufolge soll das WePad auf etwa 6 Stunden Laufzeit kommen. Das Apple iPad soll 10 bis 12 Stunden durchhalten. Allerdings sind solche Herstellerangaben stets mit Vorsicht zu genießen.
Die Basisversion des WePads bringt 16 GByte Speicherplatz sowie WLAN mit und soll 449,- Euro kosten. Das Spitzenmodell, das rund 120,- Euro teurer ist, bietet doppelt so viel Speicherplatz, UMTS/HSDPA und GPS. Außerdem soll es eine HDMI-Schnittstelle bekommen und FullHD in 1080p ausgeben können. Höchstwahrscheinlich werden auch subventionierte Geräte erhältlich sein. Neofonie steht derzeit in Verhandlungen mit Mobilfunkanbietern und Verlagen, die das WePad in Verbindung mit einem Mobilfunkvertrag oder einem Zeitschriften-Abonnement günstiger anbieten könnten.
Im Juli sollen bereits erste Geräte ausgeliefert werden. Die Massenverfügbarkeit wird für August 2010 angestrebt.
Indessen hat Apple den deutschen Verkaufsstart für das iPad erneut verschoben. Erst Ende Mai soll der Tablet-PC hierzulande auf den Markt kommen. Grund für die Verzögerung seien Lieferprobleme wegen der unerwartet hohen Nachfrage in den USA, wo das iPad bereits seit Anfang April erhältlich ist.